Kristina Milz

Türkei

EIN VERFOLGTER WISSENSCHAFTLER UND SEINE UNIVERSITÄT

KARL SÜSSHEIM (1878–1947)

„Als Kind merkt man so etwas wie Vermeidung normalerweise nicht. […] Als ich aufwuchs, hörte ich von meiner Mutter nur wenige Geschichten über ihre Familie. […] Sie sagte Dinge wie: ‚Ich weiß wirklich nicht viel, ich kann mich nicht erinnern‘. Und sie hat nicht ein einziges Mal gesagt, dass ihr Vater Jude war. […] In den frühen Siebzigern, als wir in den Ferien nach Istanbul gefahren sind, als ich 12 war, […] [haben] wir sein Grab […] besucht. Da war ein großer Davidstern auf dem Grabstein. Ich war verwirrt! Ich habe auf den Stern gezeigt und gesagt: ‚Hey Mom!‘ Sie hat nur in eine andere Richtung geschaut. Das war das Ende der Diskussion.“ Die eindringlichen Sätze entstammen einer Rede, die am 27. Juni 2022 im Literaturhaus München gehalten wurde. Die Sprecherin war Lisa R. D’Angelo, Enkelin des in der NS-Zeit in die Türkei emigrierten bayerisch-jüdischen Orientalisten Karl Süßheim, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist

IN: EINSICHTEN+PERSPEKTIVEN 2/2022

ZUM TEXT / ZUM PODCAST

Mehr über Karl Süßheim

Mehr zur Reihe „Bayerns vergessene Kinder. Jüdische Biografien unter der damnatio memoriae

GASTBEITRAG „DIE GEGENWART“

OPERATION RACHE

Vor hundert Jahren erschossen in Berlin zwei junge Armenier die Kriegsverbrecher Cemal Azmi und Bahattin Schakir. Sie wollten den Genozid an ihrem Volk rächen, den die türkische Regierung während des Weltkriegs verantwortet hatte. Das Attentat öffnet den Blick auf eine überaus vieldeutige deutsch-türkische Geschichte.

IN: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 11.4.2022

INTERVIEW MIT CHRISTOPH K. NEUMANN

„ICH BIN NICHT ERST SEIT DEM 15. JULI DER MEINUNG, DASS ERDOĞAN EIN DIKTATOR IST“

Vor zwei Monaten sorgte der Putschversuch in der Türkei für Schlagzeilen. Panzer auf der Bosporusbrücke, Militärjets über Istanbul, Parlament und Präsidentenpalast in Ankara bombardiert, das Staatsfernsehen gekapert. Mehr als 290 Menschen kamen ums Leben, mehr als 2.000 wurden verletzt. Präsident Erdoğan forderte die Türken auf, Widerstand zu leisten – mit Erfolg: Am nächsten Morgen war klar, dass der Putsch gescheitert ist. Seither beschließt die türkische Regierung eine repressive Maßnahme nach der anderen. Wie sind die Entwicklungen in der Türkei zu bewerten? Ein Gespräch mit Prof. Dr. Christoph K. Neumann, Turkologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

IN: EINSICHTEN & PERSPEKTIVEN, 3/2016

LÄNDERPORTRÄT: TÜRKEI

ATATÜRKS ALBTRAUM

Ein Partner im Zweifrontenkrieg: Die Türkei kämpft seit Juli 2015 gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) und auch der gewaltsame Konflikt mit
der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK flammt wieder auf. Während die europäischen Staaten in der Flüchtlingspolitik mehr denn je auf Staatspräsident Erdoğan angewiesen sind, zeigen sich im Innern des Landes die Folgen eines Versäumnisses der jüngeren EU-Geschichte: Die regierende AKP fühlt sich an demokratische Versprechungen im Rahmen der Beitrittsverhandlungen längst nicht mehr gebunden. Die türkische Frage zu Beginn des 21. Jahrhunderts lautet: Wer verteidigt eigentlich noch Atatürks Erbe – und wer die Demokratie?

IN: EINSICHTEN & PERSPEKTIVEN, 4/2015

Informationen zur Reihe „Länder des Nahen Ostens im Porträt“

Foto: Kristina Milz

© 2022 Kristina Milz

Thema von Anders Norén